puls-Stammtisch: 2. März
Daniel Hufeisen | 27. Februar 2010Damit man zwischen den einzelnen puls-Abenden mal Zeit hat, sich kennen zu lernen bzw. einfach etwas gemeinsam zu machen, haben wir überlegt, einen puls-Stammtisch zu starten. Dabei geht es nicht um ein festes Programm, sondern einfach um einen gemütlichen Abend.
Das erste Mal wollen wir uns am Dienst (2. März) ab 20:00 Uhr im Café Brazil treffen. Das Café ist in der Bismarckstraße 25 in der Nähe des Lorlebergplatzes. Der Tisch ist auf Hufeisen reserviert.
Alle, die schon einmal bei puls waren oder planen, mal zu kommen, sind herzlich eingeladen, vorbei zu schauen!
Fernweh: die weite Welt
Daniel Hufeisen | 10. Februar 2010Es ist nun schon über zwei Wochen her, trotzdem möchte ich euch noch die Möglichkeit geben, den Impuls vom ersten puls der zweiten Staffel zum Thema Fernweh nachzulesen:

Ich habe Sehnsucht.
Sehnsucht nach der weiten Welt.
Vor ein paar Tagen habe ich mir Bilder aus Taiwan angeschaut.

Da war es so spannend, so interessant, so aufregend, so anders.
Allein das Essen und die Getränke dort: Die Rindfleischnudeln, der Perlenmilchtee. Mmmh.
Und diese riesige Stadt, überall so viele Menschen auf engem Raum und unzählige Roller auf den Strassen…
Wenn ich diese Bilder sehe, überkommt mich die Sehnsucht aufzubrechen, in eine andere Welt, weg aus Erlangen, weg aus Deutschland.
Oder dieser kitschige Afrika-Film letzte Woche, den wir gesehen haben.

Ach, diese Weite, die Tiere, die Landschaft. Und die Menschen.
Nicht so wie hier. So anders, so schön, so faszinierend.
Ja, die weite Welt.
Immer wieder kommt sie, diese Sehnsucht nach der Ferne.
Dabei kannte ich diese Sehnsucht früher noch nicht.
Erst als ich schon Zivi war, begann Gott in mein Herz zu flüstern.
Erst war es ganz leise:
Wenn andere von ihren Erfahrungen in der weiten Welt erzählten.
Und dann diese Worte aus der Bibel: Von Gott, dem Herrn der ganzen Welt.
Von Westen bis Osten. Von Norden bis Süden.
Ich hörte etwas.
Besonders laut wurde es dann in der Stille.
Im Kloster.
Ich hörte ein Flüstern, ich spürte eine Sehnsucht:
“Ferne – auch dort führt mich deine Hand.”
Eine Sehnsucht war geboren.
Gott zeigte mir, dass ich in die weite Welt will.
Und ich ging.
Ich entdeckte vieles.
Ich machte mich auf und öffnete meine Augen:
Neue Orte und Worte, Bäume und Berge, Handys und Häuser, Blumen und Bilder, Freuden und Farben, Gesichter und Gerüche.
Ich machte mich auf.
Und ich nahm mich mit.
Denn man nimmt sich immer selber mit.
Vor mir selbst kann ich nicht fliehen.
Der Wirklichkeit entkomme ich nicht.
Das haben schon andere vor mir versucht.
So wie Jona.
Der hatte einen Auftrag von Gott.
Ihm war das unangenehm.
Er wollte keinen Stress.
Da kam er auf eine Idee:
“Ich gehe einfach weg. Weit, weit weg.”
Und er ging. So weit er konnte.
Bis an das Ende der Erde.
Doch er nahm sich mit.
Seiner Wirklichkeit entkam er nicht.
Und auch Gott war noch da.
Auch weit weg, in der Ferne.
Um Jona das deutlich zu machen, benutze Gott sogar einen Wal.
Für mich hat das aber auch etwas beruhigendes.
Ich bleibe ich, egal wo ich bin.
Und Gott bleibt bei mir.

König David drückte das mal mit folgenden Worten aus:
“Wohin kann ich gehen, um dir zu entrinnen, wohin fliehen, damit du mich nicht siehst?
Steige ich hinauf in den Himmel – du bist da. Verstecke ich mich in der Totenwelt – dort bist du auch.
Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt:
auch dort wird deine Hand mich führen, auch dort lässt du mich nicht los.”
Vor Gott kann ich nicht fliehen – und das ist gut so.
Das habe ich erlebt. Dass er auch in der Ferne bei mir ist.
Nun bin ich aber hier. Und nicht in der Ferne.
Und ich frage mich: Warum spüre ich immer wieder diese Sehnsucht nach der weiten Welt?
Was steckt hinter der Sehnsucht? Was steckt hinter dem Fernweh?
Bin ich mit dem, was ich hier habe und erlebe nicht zufrieden?
Was fehlt mir in meinem Alltag?
Was fehlt mir in Erlangen, in Deutschland?
Ich weiß es nicht.
Aber ich glaube, ich sollte mir darüber mal Gedanken machen.
Suche ich nach Abwechselung, nach spannenden Erfahrungen, nach anderen Menschen?
Nach Erlebnissen, die ich fotografieren und von denen ich später erzählen kann?
Was ist es, wonach ich mich sehne?
Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, dass in dieser Sehnsucht eine große Kraft steckt:

Es heißt doch:
“Wenn Du ein Schiff bauen willst,
so trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten,
die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben,
sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer!“
Da ist was dran.
In der Sehnsucht steckt viel Kraft.
Sie kann mir Mut geben.
Mut, um aufzubrechen.
Mut, meine Angst zu überwinden und etwas auszuprobieren.

So wie die Frau, die erzählt, dass sie als fünfjährige einen Pappkoffer von ihrem Uropa geschenkt bekam:
Für den Fall, dass sie mal verreisen würde.
Natürlich wollte sie sofort verreisen.
Was außer ihr alle überraschte, denn sie war eigentlich ein ängstliches Kind, eines, das sich nicht auf die hohe Rutsche traute und mit Unbekannten nicht sprach.
Aber als stolze Besitzerin eines Koffers, wollte sie sofort verreisen.
Und zwar allein!
Wohin, war ihr egal.
Aber sie bestand darauf, allein wegzufahren
- ein schüchternes, ängstliches Kind von fünf Jahren!
Nach einigem Hin und Her setzte man sie schließlich in einen Bus zur zwölf Kilometer entfernten Kreisstadt, wo sie ihre Oma in Empfang nahm.
Diese Frau erinnert sich noch heute an das Gefühl von Freiheit und Ernsthaftigkeit, das sie hatte, als sich die Türen des Busses schlossen und ihre winkenden Eltern hinter der Kurve verschwanden.
Ich weiß nicht, will meine Sehnsucht mich auch ermutigen aufzubrechen?
Mich loszumachen?
Hmm.
Zurzeit glaube ich nicht.
Aber vielleicht später einmal.
Aber würde das überhaupt meine Sehnsucht stillen?
Wenn ich aufbreche in die weite Welt?

Oder hat der Schriftsteller recht, der einmal sagte:
„Fernweh erledigt sich nicht damit, dass man ein Schiff besteigt, oft ist es sogar nichts anderes als eine Form von Heimweh – die Sehnsucht nach dem Unbekannten oder noch nicht Entdeckten in uns selbst.“
Ja wonach sehne ich mich eigentlich?
Im Badezimmer meiner Freundin schaute ich mir jetzt mal die Postkarten und Fotos an der Wand an.
Sie drücken auch eine Sehnsucht nach der weiten Welt aus.
Auf der einen steht:
“Man muss ab und zu das Weite suchen, um das Naheliegende zu finden.”

Sehne ich mich eigentlich nach etwas, das sehr nahe liegt?
Das vielleicht sogar schon in mir drin ist?
Nach Seiten von mir, die ich mich nur in fernen Träumen zu leben traue?
Kann ich das wonach ich mich in der Ferne sehne nicht vielleicht auch hier erleben?
Was kann ich tun, um meine Sehnsucht zu erfüllen?
Vielleicht ist es ja nur eine Kleinigkeit in meinem Alltag.
Gibt es etwas, das ich verändern könnte?
Könnte ich etwas für mich Neues anfangen und ausprobieren?
Und etwas Altes aufhören?
Wo finde ich das, wonach ich mich sehne?
Wirklich nur in der weiten Welt?
Oder sollte ich mich von meiner Sehnsucht verabschieden?
Sie loslassen?
Nimmt sie mich gefangen?
Oder beflügelt sie mich?
Worauf weist mich meine Sehnsucht hin?
Möchte mir in meiner Sehnsucht Gott etwas zuflüstern?
Ich sollte ganz genau hinhören, wenn sich das nächste Mal diese Sehnsucht in meinem Herz meldet.
Fotos von mir oder von flickr unter CC-Lizenz
puls: die zweite Staffel
Daniel Hufeisen | 12. Januar 2010Am 24. Januar startet die zweite Staffel von puls!
An den fünf Abenden der zweiten Staffel wird es um das Thema Sehnsucht gehen. Die genauen Termine und Themen findet ihr auf der Seite “wann ist puls?“.
Auch der Ort hat sich geändert. puls wird nun im Gemeindehaus am Bohlenplatz stattfinden. Wir freuen uns schon jetzt, dich dort zur zweiten Staffel begrüßen zu dürfen!
Den Flyer für die zweite Staffel könnt ihr hier runterladen: flyer-puls-zweite-staffel (pdf, ca. 1MB)
Gelingen: Den eigenen Rhythmus finden
Peter Aschoff | 18. November 2009Wie bei Ausdauersportlern im Training und Wettkampf gelingen uns manche Dinge im Leben dann besser (oder überhaupt erst), wenn wir einen passenden Rhythmus gefunden haben. Dabei kommt es länsgt nicht nur auf den Rhythmus von Arbeit und Ruhe an, obwohl der schon schwer genug zu halten ist für die meisten von uns. Sondern es geht neben der Anspannung und Entspannung auch um Dinge wie
- Geben und Empfangen
- Allein sein und in Gesellschaft anderer
- Reden und Zuhören
- Säen und Ernten (und die Wartezeit dazwischen auszuhalten)
Um meinen persönlichen Rhythmus zu finden statt mich von Anrufen, e-mails oder dem Fernsehprogramm takten zu lassen, kann ich auf drei Dinge achten:
- Auf die Signale meines Körpers: Müdigkeit und Bewegungsdrang, Hunger und Appetitlosigkeit, was mir an Nahrung und Aktivitäten bekommt und was nicht
- Auf die Natur um mich her: den Wechsel der Tages- und Jahreszeiten (im Winter hat man z.B. einfach weniger Energie), des Wetters, der Lichtverhältnisse. Dazu muss ich möglichst regelmäßig draußen sein, ein klarer Vorteil für Hundebesitzer.
- Auf andere Menschen: Auf uns allein gestellt finden wir wirklich nur schwer einen guten Rhythmus. Regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten (in einer Familie ist das ja meist “normal”), feste Verabredungen (Training der Sportmannschaft, Chorproben, ein Theaterabo oder natürlich auch ein Gottesdienst oder ein Hauskreis).
Bestimmte Dinge sollten wir täglich tun, andere ein oder mehrmals in der Woche, wieder andere einmal im Monat oder einmal im Jahr, zum Beispiel ein paar stille Tage zum Nachdenken über unsere Prioritäten und um uns zu fragen, ob der Rhythmus noch gesund und stimmig ist. Solche Zeiten sind Oasen der Freiheit, wenn wir sie uns denn nehmen.
Für alle, die den Sprung aus dem Getriebensein (vielleicht nicht durch Feinde, aber Termindruck, Wettbewerb und hohe Erwartungen – ob unsere eigenen oder die anderer) in die Freiheit schaffen wollen, hier ein Impuls zum Gebet aus Psalm 31,15-17
Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott!
Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.
Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!
Eine Sammlung interessanter (und schöner!) Texte zum Thema Zeit gibt es übrigens hier
Nachlese: Gelassen
Daniel Hufeisen | 4. November 2009Für alle, die beim dritten puls am 1. November nicht da sein konnten und alle, die noch weiter über “die Kunst, richtig auszuruhen” nachdenken wollen, stelle ich hier noch einmal die wichtigsten Gedanken des Impulses dar und nenne auch ein paar Links zu weiterführenden Texten.

Wir leben in einer Welt in der es wenig Ruhe gibt, wir uns aber immer wieder nach Ruhe sehnen.
Gibt es in unserem Alltag Zeiten der Ruhe?
Können wir mit Ruhe umgehen?
Oder geht es uns wie Elke Heidenreich, die einmal sagte:
“Ich bin arbeitswütig und liebe den Stress. In der Bademodenabteilung eines Münchener Kaufhauses bin ich zusammengebrochen, weil es dort so ruhig war.”
Es ist wichtig, das wir uns Zeiten der Ruhe nehmen und diese auch zu gestalten lernen.

Denn Ruhe gehört zu den Dingen, die nicht dringend, aber wichtig sind. Das heißt es fällt uns schwer, uns Zeit zum Ausruhen zu nehmen, da wir uns meist zuerst um die dringenden Aufgaben kümmern. Wenn wir uns aber keinen Rhythmus der Ruhe erlauben in unserem extrem geschäftigen Leben, dann werden Krankheiten unsere Ruhezeiten. Daher ist es wichtig sich Zeiten der Ruhe einzuplanen, wünschenswert ist ein Rhythmus der Ruhe.

Eine Ebene dieses Ruhe-Rhythmus können bewusste Momente der Ruhe im Alltag, also regelmäßige Pausen sein. Psychologen sagen, dass auf 75 Minuten Arbeit 15 Minuten Pause folgen sollten (weitere Infos dazu: scholarz.net – Have a break – wie Pausen effizienter machen). Um produktiv arbeiten zu können, brauchen wir regelmäßige Pausen. Uns fallen trotzdem häufig scheinbar gute Gründe ein, um uns vor einer Pause zu drücken (“für so etwas habe ich doch keine Zeit”). Von diesen Ausreden sollte man sich aber nicht abhalten lassen, damit man rechtzeitig eine Pause macht: Dann, wenn man noch Energie hat.
Hilfreiche Tipps, wann und wie man Pausen machen könnte, findet ihr auf hier: imgriff.com – Mit Pausen produktiver arbeiten

Nicht nur im Laufe eines Tages tun uns Pausen gut, auch ein Ruhetag im Lauf der Woche ist wichtig. Dieser Ruhetag alle sieben Tage ist eines der ersten Dinge, von denen die Bibel berichtet. Schon im zweiten Kapitel der Bibel heißt es:
Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk vollbracht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott.
Der Sabbat, also dieser Ruhetag, ist aus jüdischer Sicht ein kostbares Geschenk Gottes an die Menschen. Heute hat sich die 7-Tage-Woche, die ihren Ursprung im Schöpfungsbericht der Bibel hat, fast weltweit durchgesetzt.
Aber es fällt uns schwer, einen Tag wirklich ruhig zu werden und nichts zu tun. Wir müssen darauf vertrauen, dass die Arbeit von 6 Tagen gereicht hat und dann Gott und die Erde das tun lassen, was getan werden muss. Damit ist der Sabbat auch ein Tag der Befreiung, der sich dem Anspruch jedes Chefs, jeder Wirtschaftsordnung und jeder to-do-Liste entzieht. Es ist ein Tag, der nur dazu da ist, auszuruhen, zu beten und zu genießen. Also ein Tag ohne Alltag, Sorgen machen, Kritik und negatives Reden. Vielmehr ein Tag, um Natur und Kultur, also die Wunder Gottes, zu genießen und Zeit mit lieben Menschen und Gott zu verbringen. An diesem Tag der Ruhe können wir den Frieden Gottes erleben. So wie Jesus sagt:
Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde euch Ruhe geben.
Wir brauchen Zeiten der Ruhe, denn wir sind Menschen und keine Maschinen. Wenn wir uns selbst wie Maschinen behandeln, die nur funktionieren müssen und keine Pause brauchen, sehen wir auch die anderen Menschen als Maschinen.
Eine sehr inspirierende (englischsprachige) Predigt zum Thema Sabbat hielt vor ein paar Wochen Ruth Haley Baton bei Mars Hill: Longing for Rest (MP3)

Nun ist es auch wichtig, die Ruhezeiten bewusst zu gestalten. Das heißt nicht nur vor den Fernseher oder Computer setzen. Solche Zerstreuung kann auch mal gut tun, aber v.a. Sammlung ist wichtig. Einmal wirklich ruhig werden und Stille zulassen. Das fällt schwer, tut aber gut. Wenn in der Stille dann Gedanken, Gefühle und Unruhe hochkommen, hilft es sie wahrzunehmen und zu akzeptieren, sich aber nicht daran zu hängen.
Auf welche Art und Weise man am Besten ausruhen kann, muss man selber herausfinden. Ich nenne hier nur ein paar Möglichkeiten: Bewegung, Spaziergänge, Meditation, Entspannungsübungen, künstlerisch tätig sein, Kunst und Musik genießen, eine Tasse Tee trinken, etwas Lesen und darüber nachdenken, Zeit mit Freunden verbringen …
Fotos vom zweiten puls
Daniel Hufeisen | 4. November 2009Klaus-Dieter Schreiter, der den Artikel über puls für die Erlanger Nachrichten schrieb, hat uns freundlicherweise Fotos zur Verfügung gestellt, die einen Eindruck von der Atmosphäre bei puls vermitteln. Noch deutlicher wird die besondere puls-Atmosphäre natürlich, wenn man am 15.11. zum letzten puls der ersten Staffel im Museumswinkel vorbei schaut.
Um die Bilder in voller Größe zu sehen, einfach anklicken:
Am Sonntag (1.11.) ist wieder puls-Zeit
Daniel de West | 27. Oktober 2009Rückblick auf den zweiten puls
Daniel Hufeisen | 21. Oktober 2009Der Raum ist abgedunkelt, langsam wechseln die Farben einer indirekten Beleuchtung, auf den Tischen brennen Kerzen, und eine leise Hintergrundmusik gibt dem ganzen Ort der Ruhe einen leicht mystischen Flair.
Mit diesen Worten beginnt ein Artikel der Erlanger Nachrichten über den puls am letzten Sonntag, wie der Artikel weitergeht kann man online lesen.
Aber noch spannender als die Frage, was die Zeitung über uns schreibt, finde wir die Frage, wie es dir am Sonntag gefallen hat:
Was hat dich angesprochen? Was nimmst du mit? Was sollten wir beim nächsten Mal besser machen?
Nutze doch die Kommentar-Funktion, um deine Sicht mitzuteilen. Wir freuen uns über jede Rückmeldung, auch wenn sie kritisch ist.
Nachlese: Getragen
Peter Aschoff | 6. Oktober 2009Es war ein schöner Start am letzten Sonntag – für alle, die nicht dabei sein konnten, hier ein paar Gedanken vom ImPuls am 4. Oktober zum Nachlesen und als Appetitanreger für den 18. Oktober
Jedes Menschenleben beginnt mit Rhythmus. Zwei Herzen schlagen schneller, und irgendwann kommt ein drittes hinzu – auf eine Weise, die wir zwar erklären können, aber immer noch als wundersam empfinden. Das erste, was ein Kind im Mutterleib mitbekommt, ist der Rhythmus ihres Herzschlags, das Wiegen ihrer Schritte und dass sie täglich aufsteht und sich wieder hinlegt, um zu schlafen.
Wir leben in einer Welt, die pulsiert – im Rhythmus von Tag und Nacht, von Ebbe und Flut, von Sonne und Regen, von Sommer und Winter. Wir haben einen Rhythmus, in dem wir ein- und ausatmen, geben und nehmen, reden und zuhören, arbeiten und ausruhen. Die meisten dieser Rhythmen sind in der biblischen Schöpfungsgeschichte beschrieben. Sie bilden die Grundlage für alles Leben dieser Welt, und – so sagt uns diese Geschichte – sie sind das Werk Gottes.
Auch Schönheit hat mit Rhythmus zu tun, und das nicht nur in der Natur und der Musik, sondern auch in der Sprache, in den Farben von Bildern, in der Bewegung von Tänzern und der Struktur von Kunstwerken bis in die Architektur hinein. Christian Morgenstern hat einmal geschrieben: “Schönheit ist empfundener Rhythmus”, und das nicht nur deshalb, weil sie unsere Sinne durch Licht- und Schallwellen erreicht. Vor allem erzeugt Schönheit in uns eine Resonanz, sie bringt etwas zum Klingen, sie bewegt und berührt uns wie kaum etwas anderes.
Der Rhythmus der biblischen Schöpfung ist ein heilsamer, friedlicher Rhythmus. Das ist um so erstaunlicher, als viele antike und moderne Mythen die Entstehung der Welt als einen beständigen und verlustreichen Kampf ums Überleben, ein dauerndes Ringen mit dem Chaos beschreiben. Friede ist da nur eine vorübergehende Unterbrechung des kriegerischen Grundrhythmus der Realität. Christen dagegen kennen wohl den gestörten Rhythmus und den fehlenden Frieden, aber das ist weder das erste, noch das letzte, was es über unsere Welt zu sagen gibt. Ihr Grundrhythmus ist die Liebe – Morgenstern hatte auch gesagt, dass alles schön ist, was man mit Liebe betrachtet. Das Leben ist eine große Symphonie, in der jeder eine Stimme hat und jeder zur Freude aller spielt – oder sich zurücknimmt, um anderen Raum zu geben.
Gottes Rhythmus der Liebe bleibt, allen Störungen zum Trotz. Das ist die Botschaft der Geschichte von der Sintflut, an deren Ende Gott den Regenbogen als Zeichen seiner Treue setzt, zusammen mit der Verheißung: “So lange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.”
Dieser Rhythmus ist auch für uns noch spürbar. Und er schenkt uns Geborgenheit, so wie Eltern ihre Kinder in den Schlaf wiegen und ihnen ein Lied dazu singen. Aber vielleicht gilt das ja auch noch für Erwachsene: Wenn wir mit dem Rhythmus der Liebe und der Gnade in Kontakt kommen und dabei spüren, dass unser Leben ein Geschenk ist und wir von Güte umgeben (und nicht von Feinden umzingelt) sind, dann entspannen wir uns und finden unser inneres Gleichwgewicht wieder.
Der Neurologe Oliver Sacks meint, dass das Gefühl für Rhythmus den Menschen von den Tieren unterscheidet, und auch dann noch funktioniert, wenn etwa das Sprechen nicht mehr klappt. Sacks hatte einen Patienten, der vom Blitz getroffen wurde und dabei ein Nahtoderlebnis hatte. Kurz darauf fing er an, sich für Musik zu begeistern. Er fand durch sie einen Zugang zu einem viel tieferen und erfüllteren Leben. Sacks sagt, es sei fast so, als hätte der Mann “Gottes Telefonnummer” gefunden.
Vielleicht gibt es viele Weisen und Orte, Gottes Herzschlag in den unterschiedlichen Rhythmen seiner Schöpfung zu hören. Die meisten haben das irgendwann schon einmal erlebt, wenigstens in Ansätzen. Wir brauchen nicht viel mehr zu tun als einfach einmal anzuhalten und geduldig hinzuhören. Und vielleicht auch öfter als bisher hinaus zu gehen in die Natur, wo alles um uns her lebt und vibriert.





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