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Fernweh: die weite Welt

Daniel Hufeisen | 10. Februar 2010

Es ist nun schon über zwei Wochen her, trotzdem möchte ich euch noch die Möglichkeit geben, den Impuls vom ersten puls der zweiten Staffel zum Thema Fernweh nachzulesen:

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Ich habe Sehnsucht.
Sehnsucht nach der weiten Welt.
Vor ein paar Tagen habe ich mir Bilder aus Taiwan angeschaut.

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Da war es so spannend, so interessant, so aufregend, so anders.
Allein das Essen und die Getränke dort: Die Rindfleischnudeln, der Perlenmilchtee. Mmmh.
Und diese riesige Stadt, überall so viele Menschen auf engem Raum und unzählige Roller auf den Strassen…
Wenn ich diese Bilder sehe, überkommt mich die Sehnsucht aufzubrechen, in eine andere Welt, weg aus Erlangen, weg aus Deutschland.
Oder dieser kitschige Afrika-Film letzte Woche, den wir gesehen haben.

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Ach, diese Weite, die Tiere, die Landschaft. Und die Menschen.
Nicht so wie hier. So anders, so schön, so faszinierend.

Ja, die weite Welt.
Immer wieder kommt sie, diese Sehnsucht nach der Ferne.

Dabei kannte ich diese Sehnsucht früher noch nicht.
Erst als ich schon Zivi war, begann Gott in mein Herz zu flüstern.
Erst war es ganz leise:
Wenn andere von ihren Erfahrungen in der weiten Welt erzählten.
Und dann diese Worte aus der Bibel: Von Gott, dem Herrn der ganzen Welt.
Von Westen bis Osten. Von Norden bis Süden.
Ich hörte etwas.
Besonders laut wurde es dann in der Stille.
Im Kloster.
Ich hörte ein Flüstern, ich spürte eine Sehnsucht:
“Ferne – auch dort führt mich deine Hand.”
Eine Sehnsucht war geboren.
Gott zeigte mir, dass ich in die weite Welt will.
Und ich ging.
Ich entdeckte vieles.
Ich machte mich auf und öffnete meine Augen:
Neue Orte und Worte, Bäume und Berge, Handys und Häuser, Blumen und Bilder, Freuden und Farben, Gesichter und Gerüche.

Ich machte mich auf.
Und ich nahm mich mit.
Denn man nimmt sich immer selber mit.
Vor mir selbst kann ich nicht fliehen.
Der Wirklichkeit entkomme ich nicht.
Das haben schon andere vor mir versucht.
So wie Jona.
Der hatte einen Auftrag von Gott.
Ihm war das unangenehm.
Er wollte keinen Stress.
Da kam er auf eine Idee:
“Ich gehe einfach weg. Weit, weit weg.”
Und er ging. So weit er konnte.
Bis an das Ende der Erde.
Doch er nahm sich mit.
Seiner Wirklichkeit entkam er nicht.
Und auch Gott war noch da.
Auch weit weg, in der Ferne.
Um Jona das deutlich zu machen, benutze Gott sogar einen Wal.

Für mich hat das aber auch etwas beruhigendes.
Ich bleibe ich, egal wo ich bin.
Und Gott bleibt bei mir.

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König David drückte das mal mit folgenden Worten aus:
“Wohin kann ich gehen, um dir zu entrinnen, wohin fliehen, damit du mich nicht siehst?
Steige ich hinauf in den Himmel – du bist da. Verstecke ich mich in der Totenwelt – dort bist du auch.
Fliege ich dorthin, wo die Sonne aufgeht, oder zum Ende des Meeres, wo sie versinkt:
auch dort wird deine Hand mich führen, auch dort lässt du mich nicht los.”

Vor Gott kann ich nicht fliehen – und das ist gut so.
Das habe ich erlebt. Dass er auch in der Ferne bei mir ist.

Nun bin ich aber hier. Und nicht in der Ferne.
Und ich frage mich: Warum spüre ich immer wieder diese Sehnsucht nach der weiten Welt?
Was steckt hinter der Sehnsucht? Was steckt hinter dem Fernweh?
Bin ich mit dem, was ich hier habe und erlebe nicht zufrieden?
Was fehlt mir in meinem Alltag?
Was fehlt mir in Erlangen, in Deutschland?
Ich weiß es nicht.
Aber ich glaube, ich sollte mir darüber mal Gedanken machen.

Suche ich nach Abwechselung, nach spannenden Erfahrungen, nach anderen Menschen?
Nach Erlebnissen, die ich fotografieren und von denen ich später erzählen kann?
Was ist es, wonach ich mich sehne?

Ich weiß es nicht.
Aber ich weiß, dass in dieser Sehnsucht eine große Kraft steckt:

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Es heißt doch:
“Wenn Du ein Schiff bauen willst,
so trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten,
die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben,
sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer!“
Da ist was dran.
In der Sehnsucht steckt viel Kraft.
Sie kann mir Mut geben.
Mut, um aufzubrechen.
Mut, meine Angst zu überwinden und etwas auszuprobieren.

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So wie die Frau, die erzählt, dass sie als fünfjährige einen Pappkoffer von ihrem Uropa geschenkt bekam:
Für den Fall, dass sie mal verreisen würde.
Natürlich wollte sie sofort verreisen.
Was außer ihr alle überraschte, denn sie war eigentlich ein ängstliches Kind, eines, das sich nicht auf die hohe Rutsche traute und mit Unbekannten nicht sprach.
Aber als stolze Besitzerin eines Koffers, wollte sie sofort verreisen.
Und zwar allein!
Wohin, war ihr egal.
Aber sie bestand darauf, allein wegzufahren
- ein schüchternes, ängstliches Kind von fünf Jahren!
Nach einigem Hin und Her setzte man sie schließlich in einen Bus zur zwölf Kilometer entfernten Kreisstadt, wo sie ihre Oma in Empfang nahm.
Diese Frau erinnert sich noch heute an das Gefühl von Freiheit und Ernsthaftigkeit, das sie hatte, als sich die Türen des Busses schlossen und ihre winkenden Eltern hinter der Kurve verschwanden.

Ich weiß nicht, will meine Sehnsucht mich auch ermutigen aufzubrechen?
Mich loszumachen?
Hmm.
Zurzeit glaube ich nicht.
Aber vielleicht später einmal.

Aber würde das überhaupt meine Sehnsucht stillen?
Wenn ich aufbreche in die weite Welt?

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Oder hat der Schriftsteller recht, der einmal sagte:
„Fernweh erledigt sich nicht damit, dass man ein Schiff besteigt, oft ist es sogar nichts anderes als eine Form von Heimweh – die Sehnsucht nach dem Unbekannten oder noch nicht Entdeckten in uns selbst.“   

Ja wonach sehne ich mich eigentlich?

Im Badezimmer meiner Freundin schaute ich mir jetzt mal die Postkarten und Fotos an der Wand an.
Sie drücken auch eine Sehnsucht nach der weiten Welt aus.
Auf der einen steht:
“Man muss ab und zu das Weite suchen, um das Naheliegende zu finden.”

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Sehne ich mich eigentlich nach etwas, das sehr nahe liegt?
Das vielleicht sogar schon in mir drin ist?
Nach Seiten von mir, die ich mich nur in fernen Träumen zu leben traue?
Kann ich das wonach ich mich in der Ferne sehne nicht vielleicht auch hier erleben?
Was kann ich tun, um meine Sehnsucht zu erfüllen?
Vielleicht ist es ja nur eine Kleinigkeit in meinem Alltag.
Gibt es etwas, das ich verändern könnte?
Könnte ich etwas für mich Neues anfangen und ausprobieren?
Und etwas Altes aufhören?
Wo finde ich das, wonach ich mich sehne?
Wirklich nur in der weiten Welt?

Oder sollte ich mich von meiner Sehnsucht verabschieden?
Sie loslassen?
Nimmt sie mich gefangen?
Oder beflügelt sie mich?

Worauf weist mich meine Sehnsucht hin?
Möchte mir in meiner Sehnsucht Gott etwas zuflüstern?

Ich sollte ganz genau hinhören, wenn sich das nächste Mal diese Sehnsucht in meinem Herz meldet.

Fotos von mir oder von flickr unter CC-Lizenz

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